FAQ

Anmerkung: Diese Seite wird laufend bearbeitet und erweitert.

Durch meine langjährige berufliche Tätigkeit und mein Studium der Grundschulpädagogik konnte ich viele Erfahrungen im Unterrichten von Kindern und Jugendlichen sammeln. Inzwischen nimmt jedoch auch der Unterricht von Erwachsenen immer mehr Raum in meinem Unterrichtsalltag ein.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben sehr unterschiedliche Ziele im Instrumentalunterricht und ihr Alltag unterscheidet sich ganz erheblich. Die jeweilige Unterrichtsgestaltung muss dem natürlich Rechnung tragen, und da diesbezüglich immer wieder Fragen auftauchen, möchte ich hier die wichtigsten davon beantworten.

1. Talent

“Ich habe mal ein bisschen Unterricht genommen, aber ich habe es nie so weit gebracht. Ich habe einfach kein Talent/kein Rhythmusgefühl/zu kleine Hände.” Oft tauchen zu Beginn oder auch im späteren Verlauf des Unterrichts Zweifel auf, ob man überhaupt über die notwendigen Fähigkeiten verfügt, um Gitarre spielen zu können. In vielen Fällen wurden diese Zweifel von Lehrern, Eltern oder anderen Schülern noch verstärkt. Das ist traurig und fast nie gerechtfertigt. Rhythmusgefühl, Musikalität oder auch Fingerfertigkeiten mögen unter den Menschen sehr unterschiedlich ausgeprägt sein, Tatsache ist jedoch, daß niemand als “perfekter Musiker” geboren wird. Selbst die so genannten Naturtalente müssen gegen handicaps und Unzulänglichkeiten kämpfen und sich ihr Können hart erarbeiten und praktisch niemand verfügt über “optimale” Bedingungen: Jemand mit hervorragendem Rhythmusgefühl hat vielleicht Probleme mit der Koordination seiner Finger, etc. Die gute Nachricht ist also: Die wichtige Frage ist nicht, wie “begabt” oder “talentiert” jemand ist, sondern ob er oder sie bereit ist, die notwendige Zeit und Energie in den Ausbau der vorhandenen Fähigkeiten zu investieren und an Schwächen zu arbeiten. Nicht jeder, der mit der Gitarre anfängt, kann ein Virtuose werden, aber mit Geduld, Beharrlichkeit und Spaß an der Musik lässt sich viel mehr erreichen als “nur” mit Talent.

2. Alter

Meiner Ansicht nach ist niemand “zu alt”, um mit dem Gitarre spielen anzufangen. Nach meinen Erfahrungen mögen Kinder und Jugendliche zwar eine höhere Lernbereitschaft mitbringen und sie haben oft weniger Probleme etwa mit dem Bewegungsapparat der Hände. Das bedeutet aber nicht unbedingt, daß sie “schneller” oder “besser” lernen, da bei Erwachsenen oft eine viel höhere Eigenmotivation vorhanden ist, sowie ein deutlich besser ausgebildetes musikalisches Vorwissen. Anders formuliert: Kinder lassen sich leichter zum Lernen anleiten, aber bilden musikalische Vorlieben und Eigenmotivation zum Üben erst in späteren Jahren aus; Erwachsene wissen, was sie auf dem Instrument erreichen wollen und gehen oft deutlich pragmatischer und motivierter an den Lernprozess.

Der Nachteil, mit dem Erwachsene meist mehr zu kämpfen haben als mit steifen Fingern, ist die große Kluft zwischen musikalischem Anspruch und tatsächlichem Können. Ein Kind von acht Jahren, das nach einem Jahr Unterricht begeistert die Melodie von “Der Mond ist aufgegangen” spielt, geht viel unkritischer an das eigene Können heran als ein Erwachsener, der bereits ein breites Spektrum an Musik kennengelernt hat und weiß, “wie es klingen soll”. Das verleidet vielen Erwachsenen das Üben und Spielen ganz unnötigerweise, denn es ist schwer, gegen den inneren Kritiker anzugehen. Egal in welchem Alter: Zu Beginn klingt fast jedes neue Lied und jeder neue Akkord (insbesondere die Barré-Akkorde sind eine echte Herausforderung an unsere Geduld) erst einmal stockend, scheppernd und bisweilen auch kaum nach “Musik”. Wenn wir jedoch dran bleiben und beharrlich weiter üben, wird daraus Stück für Stück Musik. Der Erwachsene nimmt dies oft nur viel deutlicher wahr.

3. Üben

Jeder, der auf einem Instrument, in einer Sprache oder einer Sportart Fortschritte machen oder auch nur sein Können erhalten möchte, muss üben. Nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel! In der besten aller Welten hätten wir alle jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit und Ruhe, um uns ohne Stress oder schlechtem Gewissen der Musik zu widmen. Doch nicht einmal bei Grundschulkindern ist an so etwas zu denken – bei Berufstätigen erst recht nicht. Also müssen wir alle das beste aus der (wenigen) Zeit machen, die uns zum Üben und Spielen bleibt. Das bedeutet vor allem, daß wir über die Woche verteilt mehrere Übephasen einplanen sollten, wobei die Übedauer letztlich nicht so wichtig ist wie die Regelmäßigkeit. Was täglich fünfzehn Minuten geübt wird, wird besser gelernt als das, was in einer einzigen zweistündigen Mammutsession eingepaukt wird. Das gilt für alle Altersstufen. Ansonsten ist bei Kindern das Üben oft eine Familienaktivität: Auf Grund der in der Regel kaum entwickelten Fähigkeit zur Eigenmotivation, üben Kinder praktisch nie ohne Anweisung oder Anwesenheit der Eltern. Das unterschätzen viele Eltern und überfordern ihre Kinder unbewusst, indem sie die Verantwortung für regelmäßiges Üben ganz auf sie abwälzen – “Du hast heute schon wieder nicht geübt! Wozu bezahle ich dir eigentlich den Unterricht?”. Kinder haben noch keine Vorstellung davon, was es heißt, ein Instrument zu lernen; sie wollen vor allem ein Instrument spielen. Daß das Üben dazu gehört, muss ebenfalls erst einmal gelernt werden. Der Spaß am Instrument sollte aber immer im Vordergrund stehen!
Anfänger sollten jedoch auch aufpassen, daß sie sich und ihren Fingern nicht gleich zu viel zumuten! Besonders das Greifen von Akkorden stellt anfangs gewaltige Anforderungen an die Greifhand, und wer hier gegen die Schmerz-Signale seines Körpers übt, riskiert Schäden an Gelenken und Muskulatur! Schneller voran geht es trotzdem nicht, was das Frustlevel natürlich erhöht. Geduld und Beharrlichkeit bringen uns schneller und ohne bleibende Schäden ans Ziel.